Das Volumen der European Long Term Investment Funds (ELTIFs) hat 2024 um 38 Prozent zugelegt. Gleichzeitig wurden 55 Produkte aufgelegt, laut Scope ein neuer Rekord.
Das Volumen des europäischen ELTIF-Markts könnte bis Ende 2027 auf 65 bis 70 Milliarden Euro anwachsen, so die Einschätzung der Ratingagentur Scope gemäss Mitteilung. Sie erwartet, dass in den kommenden zwölf Monaten mindestens 80 ELTIFs aufgelegt werden. Für ihre jährliche Studie hat Scope Marktdaten in ganz Europa erhoben und Anbieter sowie Vertriebe befragt.
Aktuell sind europaweit 150 ELTIFs von 74 unterschiedlichen Asset Managern registriert. Im vergangenen Jahr wurden 55 Produkte aufgelegt – ein neuer Rekord. Die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2021 (27 neue ELTIFs) sei weit übertroffen worden, heisst es.
Von den 150 ELTIFs haben bisher 133 Geld eingesammelt. Scope beziffert das aggregierte Volumen dieser Fonds für Ende 2024 auf 20,5 Milliarden Euro. Gegenüber Ende 2023 ist das verwaltete Vermögen damit um rund 5,7 Milliarden Euro gestiegen, was einem Zuwachs von 38 Prozent entspricht.
Die drei grössten Fonds – klimaVest, Meridiam Infrastructure Europe III SLP und GF Infrastructures Durables SLP – vereinen rund ein Sechstel des gesamten Fondsvolumens. Die zehn grössten ELTIFs repräsentieren 41 Prozent. Die Konzentration auf grosse Produkte ist laut den Spezialisten von Scope weiterhin hoch, hat sich aber im Vergleich zum Vorjahr etwas abgeschwächt.
Französische Investoren haben bisher am meisten Kapital in ELTIFs investiert (7,5 Mrd. Euro per Ende 2024). Es folgen Anleger aus Italien (3,5 Mrd. Euro), Deutschland (2,8 Mrd. Euro) und Spanien (1,4 Mrd. Euro). Bei ELTIFs, die für Privatkunden zugänglich sind, dominieren Italien und Deutschland: 25 Prozent des Volumens aller ELTIFs, die Privatanlegern offenstehen, entfällt auf Italien, 21 Prozent auf Deutschland.
Auch beim platzierten Kapital 2024 liegen französische Investoren vorne. Auf sie entfallen 35 Prozent des platzierten Volumens. Deutschland liegt auf Platz 2 mit einem Anteil von 25 Prozent. Italienische und spanische Anleger machen jeweils 13 Prozent aus.
Bei den Assetklassen verteilt sich das bestehende Fondsvolumen relativ gleichmässig auf Private Debt (33%), Infrastruktur (26%) und Private Equity (26%). Immobilien und gemischte Strategien stellen den restlichen Anteil. Das Gewicht der Assetklasse Immobilien hat durch die Umwandlung von zwei bereits zuvor bestehenden Produkten in ELTIFs gegenüber 2023 deutlich zugenommen.
Trotz des leichten Vorsprungs des Private-Debt-Segments sehen die meisten befragten Anbieter und Vertriebe das grösste Interesse der Anleger bei den Assetklassen Private Equity und Infrastruktur.
Zu den aktivsten Anbietern gehören Azimut, BNP Paribas, Amundi, BlackRock, Commerz Real, Eurazeo, Partners Group, Generali Investments, Muzinich, Neuberger Berman und Turenne Capital. Die meisten ELTIFs (98) sind bei der Luxemburger Aufsichtsbehörde (CSSF) registriert.
Der starke Anstieg der Produktanzahl im vergangenen Jahr hängt mit der ELTIF-2.0-Regulierung zusammen, welche seit dem 10. Januar 2024 angewendet wird. Sie bringt eine Reihe von Erleichterungen sowohl für Anbieter als auch für den Vertrieb. Für weiteren Schwung hat das Inkrafttreten der technischen Regulierungsstandards am 26. Oktober 2024 gesorgt. Sie legen Details der ELTIF-2.0-Verordnung fest, etwa zur Liquiditätssteuerung.
Die neuen Regeln ermöglichen ELTIFs, die als Evergreen-Struktur aufgelegt werden, unter bestimmten Bedingungen regelmässig einen Ein- und Ausstieg von Anlegern. Evergreen-ELTIFs sind ein wesentlicher Grund dafür, dass sich in diesem Jahr deutlich mehr Banken in konkreten Planungen zum Vertrieb von ELTIFs befinden als im Vorjahr. Zahlreiche Marktakteure sind zuversichtlich, dass die Zukunft von Privatmarktanlagen für breite Anlegerschichten dem ELTIF gehört.