Schon mehrere Schweizer Bankiers haben sich biografisch verewigt: Zum Beispiel Joe Ackermann, ehemaliger CEO der Deutschen Bank, und Hans J. Bär, Patron der gleichnamigen Zürcher Privatbank. Wohl zum ersten Mal aber berichet ein Devisenhändler aus seinem Berufsleben: Fredi Lutz, ehemaliger Devisenchef bei führenden Schweizer Banken.
Sein Erlebnisbericht trägt den Titel ««Bankiers, Bankster und andere Begegnungen – Einblicke, Erlebnisse und Erfahrungen aus 50 Jahre Devisenhandel». Und Fredi Lutz hält, was die Überschrift verspricht. Kritisch erläutert und analysiert er nicht nur die in den letzten fünf Jahrzehnten erstaunlich häufig zu Tage getretenen Finanz- und Bankenkrisen, trotz des jeweils von der aus der ganzen Branche ausgehenden Rufs, Missstände und Fehlentwicklungen kämen nicht mehr vor.
Lutz unterzieht auch die zahlreichen Persönlichkeiten und Führungsleute, die er in seiner Karriere getroffen oder die in der genannten Zeit Spuren hinterlassen haben, einer kritischen Würdigung.
Von Hans J. Bär spricht er von einem Bankier, der sich seiner Verantwortung stets bewusst war, eine beispielshafte Unternehmenskultur gepflegt und den Grundsatz gelebt hat: der Kunde bezahlt die Löhne, entsprechend gehört ihm die volle Aufmerksamkeit, er steht er im Mittelpunkt. Ein Bankier alter Schule, urteilt Fredi Lutz.
Gleichermassen schreibt er, angereichert mit Episoden und persönlichen Begegnungen, über Dr. Robert Holzach und Niklaus Senn, Chefs der Schweizerischen Bankgesellschaft resp. der späteren UBS, oder über die Brüder Safra, Eigentümer der gleichnamigen Basler Privatbank.
Weniger gut bis schlecht kommen Bankenmanager aus jüngerer Zeit weg. Mehrere von ihnen tituliert Lutz unverblümt als Bankster, die das Unternehmen, das sie führen, als Selbstbedienungsladen verstehen, ungeachtet des finanziellen Abschneidens der Bank.
Solche Beispiele gab es schon früher, erinnert sei an den Chiasso-Skandal der SKA. Lokale Manager zweigten mit Geldwäschereigeschäfte Millionen ab, und erstmals in der Schweiz musste eine Grossbank und mit ihr der Finanzplatz vor dem Zusammenbruch gerettet werden, damals mit Gelder anderer Banken.
Jüngst hat sich eine Bonuskultur eigenistet, die zwar nur von einer Minderheit von Bankmanagern bis ans Äusserste oder darüber hinaus ausgereizt wird, jedoch ein schlechtes Licht auf die ganze Branche wirft. Lutz setzt sich in seinem Buch ausführlich mit dieser Mentalität auseinander und wünscht sich mehr Demut und Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und der Gesellschaft. «Back to the Futures» ist sein Credo, wie die Bankenindustrie verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann.
Seine Autobiografie ist aber nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Branche, in der er ein halbes Jahrhundert seines Lebens verbracht hat. Anekdoten und persönliche Erfahrungen, beispielsweise aus der Zeit, als er in jungen Jahren Devisenchef der Bankverein-Niederlassung in Panama war, machen sein Buch zu einer spannenden und amüsanten Lektüre.
Auch erfahren Leserinnen und Leser wie der Devisenhandel früher funktioniert hat und was ihn heute prägt. Sich aus dem wirtschaftlichen und politischen Geschehen «eine eigene Meinung bilden und diszipliniert bleiben», heisst sein Rezept für eine erfolgreiche Karriere. «Keine Ich-AG, sondern Teamwork», und: «Praktiker sind gesucht, ewige Studenten haben im Devisenhandel eine schweren Stand.»
Und noch was legt Fred Lutz den Bankmanagern modernen Zuschnitt ans Herz: Die drei Schlüssel des Logos des ehemaligen Bankvereins, die heute auch das Logo der UBS zieren: Vertrauen, Sicherheit und Verschwiegenheit. Wer sich dran halte, habe, egal in welchem Geschäft, auch in Zukunft Erfolg.